Chronik

des RMSV Soli Fechenheim 1896 e. V.

In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts fand das Fahrrad, das bis dahin ein Privileg der gutsituierten Bürger gewesen war, Eingang in die Schicht der Arbeiterschaft. In einigen Orten Deutschlands, so auch in Fechenheim, bildete sich eine kleine Gruppe von Arbeiter-Radfahrern. Diese Vorläufer der Solidarität erkannten frühzeitig den Wert eines Zusammenschlusses der Vereine, aber auch das Zusammenfinden der Wander- und Tourenfahrer, die in ihrer knappen Freizeit bei den Fahrten durch ihre engere Heimat Kraft für ihre politische und gewerkschaftliche Arbeit zum Wohl der gesamten Arbeiterschaft schöpften. Verbindungen wurden nach hierhin und nach dorthin angeknüpft. Arbeiter-Radfahrer kamen auch zusammen, mal einzeln, aber auch zwischen den Jahren 1893 bis 1895 in unbedeutenden Kongressen. Über eine lose Zusammenarbeit kamen die einzelnen Verbindungen auch in Fechenheim jedoch nicht hinaus. Durch diese Mißerfolge ließen sich jedoch die Arbeiter-Rad-Fahrer nicht abschrecken.

Nach mehrjährigen Bemühungen gelang ihnen der Durchbruch, nach einem Aufruf im April 1896 in der Zeitung -Der Arbeiter-Radfahrer-. Am 24. und 25. Mai 1896 gründeten, anläßlich des Arbeiter-Radfahrer-Kongresses in Offenbach am Main, die 18 Delegierten, darunter auch welche aus Fechenheim, den Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität als rad sportliche Spitzenorganisation innerhalb der deutschen Arbeiter-Sportbewegung mit dem Ziel, alle Arbeiter-Radfahrer im Reichsgebiet straffer zu organisieren, um damit den Wünschen derer, die das Fahrrad als Verkehrsmittel des kleinen Mannes für die Zukunft sahen, auch den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Zu den 18 Gründungsvereinen kamen in der nächsten Zeit elf weitere Vereine hinzu. Der neugegründete Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität wollte die Voraussetzung für eine körperlich und geistig gesunde Entwicklung der deutschen Arbeiterjugend durch sportliche Betätigung schaffen.

Schon 1897 zählte der Bund 55 Ortsvereine mit 1.300 Mitgliedern. Im Jahre 1900 waren es 4.186 Mitglieder, die in 22 Gaue - etwa vergleichbar den heutigen Bezirken - aufgeteilt waren. Um diesen Zeitpunkt änderte sich unser damaliger Vereinsname "RV Vorwärts Fechenheim" in "ARB Solidarität Ortsgruppe Fechenheim".

Auf dem Frankfurter Kongreß im Jahre 1901 erließ der Bundesvorstand eine Resolution, die allen Bundesvereinen aufgab, keine Politik zu betreiben. Damit wurde dem Versuch der kaiserlichen Regierung begegnet, die sogenannten Freiradler zu belangen.

Im Jahre 1922 kam auch die Ortsgruppe Fechenheim dem Wunsch ihrer Jugend entgegen und übergab ihr vier Frisch-Auf-Saalräder, die den Grundstock zur sportlichen Entwicklung bildeten. Natürlich war es mit der Anschaffung der Saalräder allein nicht getan. Was fehlte, war vor allem eine Menge Training, um sich an den Wettbewerben und Meisterschaften auf verschiedenen Ebenen beteiligen zu können.

Das Jahr 1927 brachte den Titel Gau-Bundes-Meister und als höchsten Erfolg die Bundesmeisterschaft. Die heute noch unvergessenen Fahrer waren Franz Grunwald +,
Adam Spamer +, Peter Breitenbach +und Manfred Daubert +.

Zu dieser Zeit fanden die Übungsstunden in Fechenheim im Saal vom Gasthaus "Zum Anker statt. Mit der Eingemeindung im Jahre 1928 nach Frankfurt am Main wurde der Trainingsbetrieb in das Volkshaus in Enkheim verlegt, wo auch im selben Jahr mit viel Erfolg das erste Saalsportfest stattfand. Der sportliche Aufstieg der Fechenheimer in jener Zeit war unübersehbar. Durch den Ankauf neuer Saal- und Einräder konnten mehrere Mannschaften gebildet werden. Bis 1932 erzielten die Mannschaften Bezirks-, Gau- und Gaubundmeisterschaften, waren somit startberechtigt zur Bundesmeisterschaft in Halle an der Saale und erzielten dort einen unerwarteten 2 Platz.

Doch dann kam das Jahr 1933 und mit dem Aufzug der neuen Machthaber der Untergang- und zunächst das vorläufige Ende der Solidarität. Das gesamte Sportmaterial wurde beschlagnahmt, das Vereinsvermögen eingezogen und der Verein verboten. Zwölf Jahre lang wurde es still um die Amateurradsportler.

Kaum war der Zweite Weltkrieg und damit das Dritte Reich vorüber, da wurde die
Solidarität schon 1946 von Georg Zeller +, Karl Spamer +, Franz Grunwald + und Friedrich Kärcher +wieder aus der Taufe gehoben. Noch einmal fünf Jahre dauerte es, bis 1951, mit der Unterstützung, als Wiedergutmachung, der Stadt Frankfurt und einem Geburtstagsgeschenk von unserem Mitglied Margot Neukum an ihren Mann, indem sie ihm ein Kunstrad schenkte, konnte der Sportbetrieb wieder aufgenommen werden. Die ersten Erfolge wurden 1952 mit drei ersten Plätzen bei der ersten Nachkriegs-Bezirksmeisterschaft errungen. Günter Neukum fuhr jahrelang bei Veranstaltungen und Werbe auftritten 3er-Kunst mit Jürgen Schneider und seinem Sohn. Dadurch wurden, vor allem im Jahre 1953, viele Jugendliche angezogen. Jugendliche, die später die Verantwortung für den Verein und sein weiteres Geschick übernehmen werden.

- 1923 bis 1953 - >30 Jahre Saalsportjubiläum-, - 1928 bis 1953 - >25 Jahre Saalsportfest- wurde 1953 gefeiert mit einer Feier im Enkheimer Volkshaus. Zu dieser Zeit war der Name Spamer ein Begriff im Verein. Gerne denken die Mitglieder an die 50er Jahre zurück. Diese Zeit hatte etwas ruhiges und zufriedenes in sich. Rad- und Zeltausfahrten mit dem Ehepaar Spamer. Sie waren für die Jugend ein Vorbild, er der Vater und sie die Mutter des Vereins. Frau Sparner kochte für die gesamte Kippe, wie man sie damals nannten, und es war ihr nie zuviel. Allen schmeckte es ausgezeichnet, und vor allem war es billig. Herrn Spamer in seiner ruhigen Art gelang es immer wieder, für Harmonie in der Gruppe zu sorgen, wenn es einmal nötig war. Steuerrohr-, Einrad-, Schul- und Kunstreigen sowie das 1er-, 2er- und 3erKunstfahren waren die Gewähr für eine Teilnahme bei vielen sportlichen Gelegenheiten.
Auch das Hochradfahren wurde bald in das Trainingsprogramm aufgenommen und zu einer erfolgreichen Disziplin bis zur Bundesmeisterschaft. Zu einer besonderen Beliebtheit wurden die 8er-, 12er- und 16er-Farbenreigen, welche bei Werbeveranstaltungen des Vereins und des Bundes zu gefallen wußten. Gute Plazierungen bei allen Wettbewerben des Bundes waren so im Laufe der vergangenen Jahre der Erfolg für aktive Sportarbeit in Fechenheim.

1956 feierte der Verein sein 60. Jubiläum mit einer großen Veranstaltung in der Turnhalle an der Pfortenstraße.

Schöne Zeiten waren es gewesen, die 50er und Anfang 60er Jahre. Doch irgendwie kam es dann mit der Jugendarbeit ein wenig ins Stocken. Da kam die Zeit des Ehepaares Erika und Kurt Breitenbach. Beide als Jugendleiter eingesetzt, brachten die Jugendarbeit wieder in Schwung. Vom Radsport über Basteln, Modellbau, Theaterspielen bis hin zum Motorsport wurde der Fächer gespannt. ImRathauskeller trafen sich Fechenheimer Kinder zum Basteln. Hier wurden die ersten Theaterstücke geprobt. Auftritte der Kleinen in Altersheimen und bei Weihnachtsfeiern und erste Plätze bei Bastelwettbewerben waren die Erfolge. Teilnahme an Bezirksjugendleitung bis zum Bezirksjugendleiter, Landesjugendausschuß, Leiter von Jugendleiter Lehrgängen bis zu Bundesjugendkongressen, Delegierte im Frankfurter Jugendring und Fachausschußsitzungen, wie beim Hessischen Rundfunk, Finanzausschuß, Sozialausschuß und vieles mehr, war die Arbeit dieser beiden. Helmut Breitenbach übernahm den Vorsitz, Dieter Bartz und Hans Seidel den Kunstradsport, Andreas Hirschläger, Herbert Langendorf, Karin Dunkel waren im Motorsport verantwortlich, Edmund Spamer für Wanderfahrten.

Im Oktober 1971 wurde das 75jährige Jubiläum, diesmal im Melanchthon-Haus und in der TSG- Turnhalle Pfortenstraße, gefeiert. Alles, was der Verein zu bieten hatte, wurde gezeigt. Regelmäßige Radausfahrten wurden gemacht, Feiern wie Silvesterparty, Fastnacht, Ostern, Weihnachten, Elternabende wurden veranstaltet. Wettbewerbe im Radsport wurden wahrgenommen, an den Motorsportwettbewerben sowie Orientierungs-, Geschicklichkeits- und Slalommeisterschaften teilgenommen.

Begonnen hat dieser neue Aufschwung etwa gegen Ende der 60er Jahre. Helmut Breitenbach und Kurt Breitenbach waren die Initiatoren, daß unser Verein vom Schulamt der Stadt Frankfurt einen der drei Pavillons der ehemaligen Freiligrathschule als Vereinsheim erhielt. Eine Satzung wurde erstellt und der Verein wurde in das Vereinsregister (e.V) eingetragen. Der Vereinsname wurde geändert in RMSV Fechenheim 1896 e.v. Im Jahre 1981 übernahm Kurt Breitenbach dann den Vorsitz des Vereins. Die Gemeinnützigkeit wurde beantragt und genehmigt. Finanziell bringt das dem Verein Vorteile. Film- und Diavorträge über Ausfahrten waren an der Tagesordnung, Grilltage, Wanderungen, Busfahrten, Kegel- und Bowlingabende
und vieles mehr an kulturellen Veranstaltungen waren auf dem Programm. Das
90jährige Jubiläum wurde 1986 mit einer Veranstaltung in der TSG- Turnhalle gefeiert. Das Kunstradtraining konnte, nach mehrjährigen Verhandlungen, endlich in die Halle der Heinrich-Kraft-Schule wechseln, dadurch konnten bessere Trainingsmöglichkeiten geschaffen werden.

Und heute, wie sieht es heute aus? Da gibt es einmal die Workshops für Kinder und Erwachsene. Die Bastelgruppe am Abend, die sich regelmäßig mittwochs im Vereinspavillon trifft und deren kunsthandwerkliche Ergebnisse bei Fechenheimer Stadtteilfesten sowie bei anderen Veranstaltungen in Augenschein genommen werden können. So mancher Fechenheimer dürfte in seiner Wohnung schon ein schmückendes Stück aus dieser Vereinswerkstatt hängen, stehen oder liegen haben. Natürlich ist das handwerkliche Niveau nicht stehengeblieben. An Lehrgängen und Schulungen wird teilgenommen, Kurse für Mitglieder und Vereinsfremde werden abgehalten, neue Werkzeuge werden gekauft, kurzum: Fortbildung wird groß geschrieben. Modellbau-, Computer- und Videogruppen waren dem Verein angegliedert.

Auch im sportlichen Bereich ist man keineswegs untätig. Als nach langen, zähen Verhandlungen des Bundes, im Jahre 1977, es endlich gelungen war, die Solidarität als ein gleichberechtigter Spitzenverband mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) in den Deutschen Sportbund (DSB) aufzunehmen, konnten von nun an alle Soidaritätsfahrer/innen offiziell an Bezirks-, Landes- und Deutschen Meisterschaften, nicht nur eingeschränkt in unserem Bundesverband, teilnehmen.

Seit einiger Zeit ist Kurt Breitenbach auch Sportleiter des Vereins. Es wird, mit viel Erfolg, an ca. 15 bis 20 Meisterschaften, Pokalwettbewerben und Lehrgängen teilgenommen.

Teilgenommen hat der Verein auch an Aktivitäten im Stadtteil- früher im Sportausschuß Fechenheimer Vereine und später im Arbeitskreis Fechenheimer Vereine, wo der Verein heute noch Mitglied ist. Als es den Kerbeumzug noch gab, war der Verein immer dabei. Vom jährlichen Fischerfest auf der Langgass sowie von vielen kleinen und großen Veranstaltung ist der Verein nicht mehr wegzudenken.
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